Beermann kritisiert Berichterstattung zum „Nitratbericht 2016“

Alle vier Jahre veröffentlicht das Bundesumweltministerium in Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft aufgrund einer EU-Richtlinie den sog. „Nitratbericht“. Durch diese Richtlinie ist Deutschland verpflichtet der Kommission einen Bericht über die Umsetzung der Nitratrichtlinie vorzulegen. Der  Bericht  beschreibt den  Zustand  und  die  Entwicklung  der  Gewässerbelastung  für  Grundwasser, Oberflächen-  und  Küstengewässer. Der aktuelle Bericht wurde Ende des Jahres veröffentlicht. Das mediale Echo fiel daraufhin negativ aus: „Dem Grundwasser geht es dreckig“ titelte die ARD, „Nitrat im Grundwasser: Deutschland macht keine Fortschritte“ hieß es bei der NOZ und bei der Zeit lautete der einleitende Satz „Deutsche Gewässer sind einem Regierungsbericht zufolge in hohem Maße mit Nitrat und Phosphor verunreinigt.“

„Gerade in Zeiten, in denen wir vom Übermaß an ‚Fake News‘ sprechen und die man gern als ‚postfaktisch‘ bezeichnet, sollte darauf aufgepasst werden, dass die Berichterstattung der Qualitätsmedien ihren eigenen Ansprüchen gerecht wird“, so Beermann , „die Landwirtschaft an den medialen Pranger zu stellen, weil sich das gerade gut verkauft, ist unsäglich und vermittelt Vorurteile und kein Wissen.“ Beermann kritisiert vor allem die Ungenauigkeit, mit der der Nitratbericht in der Öffentlichkeit wiedergegeben wurde.

Den Presseberichten zufolge weisen 28 Prozent der Messstellen in Deutschland eine Nitratkonzentration über dem Grenzwert von Milligramm pro Liter auf. Die 28 Prozent beziehen sich jedoch auf die Messstellen in Gebieten mit landwirtschaftlicher Nutzung. Bundesweit, kann man dem öffentlich abrufbaren Bericht entnehmen, überschreiten 18,1 Prozent der Messstellen die Grenzwerte und damit fast 10 Prozent weniger.

Weiter wird auch nicht darauf hingewiesen, dass das deutsche Nitrat-Messnetz sehr klein ist. Zwar wurde das alte Belastungsnetz, welches 162 Messstellen für ganz Deutschland aufwies und von der EU-Kommission kritisiert wurde, mittlerweile um ein Messstellennetz mit etwa 1200 Messststellen erweitert, doch bleibt es in Anbetracht der Größe Deutschlands klein. Für die Berichterstattung an die EU werden wiederum nur etwa 700 Messstellen hiervon ausgewertet. Zudem beinhaltet es weiterhin die Messstellen des Belastungsnetzes, damit sind die bekannten belasteten Messstellen rechnerisch überproportional vertreten. Zum Vergleich: Österreich misst auf einer Fläche die nur 15 Prozent größer ist als Bayern mit etwa 2000 Messstellen. Deutschland bräuchte bei einer ähnlichen Dichte etwa 8000 Messstellen.

Auch die Behauptung, dass Deutschland keine Fortschritte machen würde ist nicht korrekt. Tendenziell lässt sich im Bericht eine leichte Abnahme der Nitratwerte lesen. Zwar haben 27,7 Prozent der Messstellen zunehmende Nitratwerte, 33,5 Prozent jedoch abnehmende Werte. Alle anderen Messstellen blieben gleich.

„Bei den von mir angemerkten Punkten geht es nicht um ein Hinwegwischen des Problems“, gibt Beermann zu bedenken, „ich rücke es lediglich in den richtigen Maßstab. Unser Grundwasser ist weiterhin sicher. Der Bundestag plant zudem noch im Januar die Verabschiedung eines neuen Düngegesetzes, welches genau das Problem der Nitratbelastung im Grundwasser angehen wird. Hier werden die Sperrfristen zur Ausbringung von Gülle verlängert und Lagerkapazitäten müssen geschaffen werden. Überschreitungen des Düngebedarfs sollen laut dem Entwurf mit Bußgeldern geahndet werden.“