Die Situation der Yeziden

Foto Gäste  1In den vergangenen Wochen rückten die kurdischen Yeziden in den Fokus der Weltöffentlichkeit, als etwa 30.000 Menschen auf der Flucht vor den Kämpfern der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) ins irakische Sindschar-Gebirge getrieben und dort eingeschlossen wurden. Dieser Umstand und ein drohendes Massaker lösten eine Kettenreaktion von Ereignissen aus, wie dem Eingreifen der amerikanischen Luftwaffe in diesen Krieg, der Bildung einer Koalition gegen den IS, sowie die erstmalige Waffenlieferung einer Bundesregierung in ein Krisengebiet.

Aufgrund bestehender Kontakte nahm der heimische Bundestagsabgeordnete Maik Beermann deshalb Verbindung zu der seit 5 Jahren bestehenden Yezidischen Gemeinde „Hevgirtina-Ezidiya“ in Nienburg auf und gemeinsam organisierte man im Saal der Gemeinde in der Hannoverschen Straße eine Diskussionsveranstaltung zum Yezidentum und zu den aktuellen Ereignissen im Irak und Syrien.

Beermann holte auch die Bundestagsabgeordnete Katja Keul von den Grünen mit ins Boot, da es bei der humanitären Unterstützung einen breiten Konsens im Deutschen Bundestag gibt.

In einem ersten interessanten Referat wurde, nach einer gemeinsamen Schweigeminute, die Historie der etwa 4000 Yeziden im Landkreis Nienburg erklärt und das Fehlen des Vereinsvorsitzenden Daud Coskun, welcher gerade mit einer Hilfslieferung bestehend aus Spenden ins Krisengebiet unterwegs sei entschuldigt.
Das Yezidentum sei mit geschätzten 4000 Jahren eine der ältesten monotheistischen Religionen der Welt und besitze weder ein heiliges Buch, noch werde missioniert, denn Yezide könne man nur durch Geburt werden, weshalb dieser Glaube fest an die kurdische Bevölkerung gebunden sei. Gebetshäuser werden im Yezidentum nicht benötigt. Derzeit gebe es noch etwa 1 Mio. Yeziden, von denen etwa 80.000, hauptsächlich aus der Türkei, nach Deutschland gekommen sind.

Yeziden unterliegen einer besonderen Verfolgung durch den IS, da sie nicht als Anhänger der „Buchreligionen“ anerkannt werden, die teilweise vom IS verschont werden, sondern in den Augen des IS zu den Ungläubigen zählen, weshalb es für sie nur die Optionen „Flucht oder Tod“ gebe.

Foto Gruppe 1In einer anschließenden Diskussion erzählten die Teilnehmer den Abgeordneten von ihren Familienangehörigen, die in den Bergen verharren und es an allem fehle, vor allem an Wasser und etwas zu Essen. Ein anderer Punkt war der Kampf gegen die Terrororganisation.

Beermann und Keul stimmten den Forderungen nach mehr humanitärer Hilfe zu. Vor allem in Anbetracht des anstehenden Winters sind mehr Anstrengungen nötig, um feste Unterkünfte zu errichten. „Die Humanitäre Hilfe muss im Vordergrund stehen und die gerechte Weiterverteilung der Rettungsgüter muss gewährleistet werden. Wir müssen hier die EU mit einbeziehen. Es müssen Container für die Flüchtlingslager zur Verfügung gestellt werden. Diese Maßnahmen haben nach ersten Schätzungen eine Größenordnung von 300 Mio. €. Wenn die EU das nicht leisten kann, dann kann man nur noch verzweifeln.“, so Beermann.

Unterschiedliche Auffassung vertraten Beermann und Keul allerdings zu der Frage der Waffenlieferungen. „Wenn ich hier heute höre, welche Schwierigkeiten sich schon bei der Verteilung der humanitären Hilfe ergeben so möchte ich nicht wissen was mit den deutschen Maschinengewehren passieren wird“, so Keul. „Die Waffenlieferung und die Entsendung von Ausbildern zur Schulung an den Waffen waren zur Selbstverteidigung notwendig. Sonst sind die Menschen schneller wieder auf der Flucht, als die Hilfe überhaupt eintreffen kann“, verteidigt Beermann.

In ihrem Abschlussstatement forderte Keul mehr Kontingente für Flüchtlingen nicht nur aus Syrien, sondern auch aus dem Nordirak aufzunehmen. Außerdem müsse es endlich legale Einwanderungsmöglichkeiten nach Deutschland geben, damit Flüchtlinge nicht zur illegalen Einreise gezwungen sind.

Beermann meinte: „Man muss kein Yezide sein um zu helfen – es reicht ein Mensch zu sein. Wir müssen sicherstellen, dass die Hilfe auch dort ankommt, wo sie am dringendsten benötigt wird. Auch der regelmäßige Austausch mit Betroffenen sollte Fundament für weitere Beratungen im Deutschen Bundestag sein.“

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