Fachkräftemangel deutlich spürbar

Seit etwa einem halben Jahr ist der 48-jährige Christoph Tietje der neue Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Nienburg/Verden und damit Nachfolger des in Ruhestand gegangenen Joachim Duensing. Tietje wechselte aus Hannover, wo er den Posten des Stellvertreters innehatte, in den Landkreis und leitet seit dem die Geschicke der Agentur mit ihren etwa 130 Mitarbeitern in den Landkreisen Diepholz, Nienburg und Verden. Diesen Wechsel in der Führung nahm der heimische Bundestagsabgeordnete Maik Beermann (CDU) zum Anlass, sich zu einem Gespräch mit Tietje zu treffen, um sich kennenzulernen sowie über die aktuelle Arbeitsmarktsituation, seinen Einstieg in das Amt und politische Botschaften für Berlin zu sprechen.

Tietje präsentierte dem Abgeordneten zu Beginn des Gesprächs die aktuellen Statistiken und erläuterte, wo derzeit die Schwerpunkte liegen würden. 38.629 sozialversicherungspflichtig Beschäftige gibt es derzeit im Landkreis Nienburg und damit 846 (+2,2 Prozent) mehr als im Vorjahr. Dagegen stehen knapp 3.500 Arbeitslose (5,3 Prozent), insgesamt 8,9 Prozent weniger als im Vorjahr. Die vier größten Wirtschafsbereiche verarbeitendes Gewerbe, Handel und Reparatur von Kfz, Heime und Sozialwesen sowie das Baugewerbe machen fast 60 Prozent der Stellen aus und etwa 25 Prozent der Arbeitnehmer pendeln jeden Tag in die umliegenden Landkreise und Städte. „Die Zahlen sind erfreulich. Wir brauchen derzeit etwa 3 bis 4 Monate, um eine Person, die gerade arbeitslos geworden ist, wieder in Arbeit zu vermitteln“, erklärt Tietje. Auf der anderen Seite gibt es in bestimmten Berufen, wie z.B. Mechatronik, Energie- und Elektroberufe und Metallberufen, einen Fachkräftemangel. Dort dauert es schon 6-7 Monate, bis eine vakante Stelle besetzt werden kann.“

Christoph Tietje erläuterte Beermann die Arbeitsschwerpunkte der Arbeitsagentur bei der sinkenden Zahl an Arbeitslosen: „Gute Beratung jedes Einzelnen und bei Bedarf die Finanzierung von Weiterbildungsangeboten ist die zentrale Aufgabe, um Angebot und Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt noch besser zusammenzubringen.“ Dem pflichtete Beermann, der Mitglied im Ausschuss für Digitale Agenda ist, bei: „Die Digitalisierung stellt den Arbeitsmarkt vor die Herausforderung, dass ungelernte Kräfte in Zukunft immer seltener gebraucht werden und auch die Fachkräfte sich kontinuierlich weiterbilden müssen, um im Beruf mithalten zu können. Hier müssen wir ein Angebot für die Menschen bereithalten um sie fit für den modernen Arbeitsmarkt zu machen.“

Auf die Frage von Beermann, was er denn als Botschaft nach Berlin mitnehmen könne, entgegnete Tietje dem Abgeordneten, dass es derzeit gut laufe: „Aus Sicht der Agentur für Arbeit sind wir auf einem guten Weg zur sog. Vollbeschäftigung, allerdings bleibt es eine große Herausforderung, langzeitarbeitslosen Menschen eine Perspektive zu bieten.“