Pflege und ärztliche Versorgung waren Thema

2014 5 9 PM LaumannAuf Einladung des heimischen Bundestagsabgeordneten Maik Beermann (CDU) und des Bürgermeisterkandidaten für die Samtgemeinde Steimbke, Birger Lerch, kam Karl-Josef Laumann, Staatssekretär beim Bundesministerium für Gesundheit und Bundesvorsitzender der Christlich-Demokratischen-Arbeitnehmerschaft (CDA) nach Steimbke ins Hotel zur Post.
Laumann, der im Januar zum Beauftragten der Bundesregierung für die Belange der Patientinnen und Patienten sowie zum Bevollmächtigten für Pflege ernannt worden war und davor schon Minister für Gesundheit in Nordrhein-Westfalen gewesen war, hielt vor 40 interessierten Bürgerinnen und Bürgern, darunter viele vom Fach, einen Vortrag zur Lage des Ärztemangels und der Pflege im ländlichen Raum mit anschließender Diskussion.

„Fast 2/3 aller Ärzte auf dem Land sind bereits über 60 Jahre alt. Es dauert bis zu 12 Jahre bis ein junger Student es zum niedergelassenen Arzt schafft. Sollte nicht bald etwas Entscheidendes passieren, steuern wir auf eine Versorgungskatastrophe zu“, warnte Laumann, „Die Bereitschaft eine eigene Praxis zu betreiben sank bei jungen Ärzten in den letzten Jahrzehnten von 80% auf etwa 30%. Die Zukunft der Arztpraxen sehen wir deshalb nicht mehr bei Einzelkämpfern, sondern bei Gemeinschaftspraxen.“
Laumann erklärte, dass es ländliche Hausarztpraxen im Kampf um die Köpfe schwer haben gegen die privatwirtschaftliche Konkurrenz im wissenschaftlichen oder pharmazeutischen Bereich zu gewinnen. Diese könne immer bessere Löhne und mehr Freizeit anbieten als eine Selbstständigkeit. „Aufpassen muss man auch, dass die Kommunen nicht mit Lockprämien untereinander in einen Wettbewerb um die Landärzte geraten, den nur reiche Kommunen gewinnen können. Noch geht es der Samtgemeinde Steimbke was die Versorgung betrifft gut. Wir müssen zu Lösungen kommen, die das auch in Zukunft sicherstellen“, ergänzte Birger Lerch.

Beermann äußerte, dass man auch bei der Ausbildung von Ärzten ansetzen müsse: „Mangelnde Studienplätze führen zu einem hohen Numerus clausus. Es gibt viel mehr junge Menschen, die Arzt werden wollen, aber für die kein Studienplatz zur Verfügung steht. Dadurch steigt der NC.“ „Ich bin ebenso der Überzeugung, dass auch ein Schüler mit einem Abitur von 2,1 ein guter Arzt werden kann“, fügte Laumann hinzu, „auch muss die Allgemeinmedizin an den Universitäten mit eigenen Professuren auf Augenhöhe mit den anderen Fachrichtungen gehoben werden.“

Auch die Pflege wurde von Laumann angesprochen und mit den Zuhörerinnen und Zuhörern vom Fach, darunter Vertretern der Arztpraxen aus der Samtgemeinde und der Pflegeeinrichtungen aus Steimbke, diskutiert. „Es wurden Fehler in der Vergangenheit gemacht und wir arbeiten an einem neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff, um Fälle, die bisher nicht erfasst wurden, ebenso zu erfassen.“ Vorgeschlagen wurde aus der Zuhörerschaft einen verpflichtenden sozialen Dienst nach der Schule ins Leben zu rufen und die geringere finanzielle Unterstützung von zuhause pflegenden Menschen zu überdenken, sowie soziales Engagement auf den NC anzurechnen.

„Auch müssen die Planungsbezirke neu überdacht werden“, sagte Birger Lerch zum Schluss, „dadurch, dass die Stadt im gleichen Bezirk wie das Umland liegt, gilt der Landkreis Nienburg als überversorgt. Die Situation im ländlichen Raum wird hierdurch verzerrt. Ich werde meine guten Kontakte zu den Abgeordneten auf allen Ebenen, Jan Ahlers, Maik Beermann und Burkhard Balz für die Samtgemeinde Steimbke nutzen.“

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