Unter dem Stichwort „Leben und Arbeiten in der …

Unter dem Stichwort „Leben und Arbeiten in der Pandemie“ besuchte ich heute den DRK Kreisverband Nienburg / Weser e.V.
und informierte mich hier über die Arbeit und den Umgang des Roten Kreuzes mit dem Corona-Virus. Die beiden Geschäftsführer Martin Krone und Marcus Stövesand standen mir hier Rede und Antwort: Ein besonderes Augenmerk lag beim gemeinsamen Gespräch auf der Situation in der Altenpflege und den geplanten Änderungen im Besucherverkehr.

„Wir fuhren bereits vor den ersten Beschlüssen des Landes Niedersachsen ein freiwillig strenges Schutzprogramm in unseren Altenpflegeeinrichtungen und haben freiwillig auf einen Mund-Nasen-Schutz und strengere Hygiene- und Besuchsvorschriften gesetzt“, erklärte Stövesand dem Abgeordneten. So könne man sich freuen, dass es bisher keinen einzigen Corona-Ausbruch in der Altenpflege gegeben habe. Mit Blick auf die Geschehnisse im Landkreis Diepholz sei dies eine sehr glückliche Situation, in der man sich im Kreis Nienburg befände. Auch die Beschaffung von Schutzausrüstung und Desinfektionsmittel habe das DRK vor keine größere Herausforderung gestellt: „Ein lokales Unternehmen konnte uns ausreichend Masken und Desinfektionsmittel zur Verfügung stellen. Sollte es im Landkreis weiterhin dringenden Bedarf hieran geben, kann man sich gerne an uns wenden und wir versuchen zu vermitteln“, so Krone mit dem Angebot an mich.

Was in den letzten Woche verständlicherweise zu Verärgerungen und Verunsicherungen führte waren laut Stövesand die Besuchsregelungen für Angehörige. Entgegen der Ankündigungen im Fernsehen, dass die Besuche wieder unproblematisch stattfinden könnten, muss das DRK, wie alle anderen auch, erst Besuchskonzepte vorbereiten. „Diese Konzepte liegen derzeit beim Landkreis zur Prüfung“, so Stövesand. Man habe eigene mit Schutzscheiben ausgestatte Besuchsräume geschaffen, in denen eine Übertragung der Infektion ausgeschlossen werden kann. Patienten die nicht mehr mobil seien, kann und könne man weiterhin mit Schutzkleidung besuchen. „Auch im traurigen Fall eines sich abzeichnenden Todes haben wir zu keiner Zeit die Angehörigen nicht zu den Bewohnern gelassen“, so Krone.

Ich interessierte mich dafür, wie es in dem Kontext um die Gefahr der Vereinsamung der Bewohner stehe und Krone erklärte mir: „Als Folge der geringeren Besuche durch Angehörige und auch der Ausgehverbote, ist eine stärkere Vereinsamung real, man kann aber als positive Entwicklung derzeit sehen, dass der Kontakt der Bewohner untereinander intensiviert wird.“

Der reguläre Rettungsdienst läuft derzeit ohne Einschränkungen normal weiter und wird mit gelegentlichen Infektionsfahrten zum Transport potentiell erkrankter Personen genutzt. Damit der Rettungsdienst im Falle einer Infektion in der Wache nicht zusammenbreche, wurde die Wache auf mehrere Standorte aufgeteilt, so dass sich niemals alle gleichzeitig infizieren können. Auch habe die Erstellung des Behelfskrankenhauses das DRK vor keine größeren Probleme gestellt – solange es nicht in Betrieb gehen müsse.

Auf meine Frage, wie es dem DRK finanziell erginge, konnten Krone und Stövesand nicht klagen. Die schnelle Änderung des SGB XI mit den Kostenerstattungs-Festlegungen durch den Bundestag habe die Pflegeeinrichtungen vor einer finanziellen Notlage bewahrt. Zusätzlicher Aufwand und Mindereinnahmen werden derzeit gut aufgefangen. Das freut mich als Abgeordneten, dass diese Maßnahme wirkt!

Zwei negative Effekte auf einen ganz anderen Berufszweig und eine andere Hilfs-Sparte musste man mir trotzdem verkünden: „Uns laufen die Fahrschulen gerade Sturm, weil wir derzeit keine Erste-Hilfe-Kurse anbieten können. Wir arbeiten aber derzeit mit unserem Landesverband an Regelungen, wie dies bald wieder möglich sein kann. So ist die Benutzung von Puppen zur Übung angedacht.“ Zum Thema Kleiderspende bittet Krone die Bevölkerung zudem darum, derzeit von Altkleiderspenden abzusehen: „Unsere Lager sind voll und die Kleiderausgabe ist derzeit gestoppt. Das gleiche gilt für alle Altkleiderannahmestellen. Daher müssen wir die Menschen darum bitten die Sachen noch für einige Zeit selbst aufzubewahren und sie später zu spenden.“

Auch wenn selbst beim DRK langsam das Bedürfnis auftrete, wieder unbeschwert öffnen zu können, sehen die beiden Geschäftsführer die Pandemie noch lange nicht als beendet an und Sorge bereite ihnen auch die baldigen Schulöffnungen: „Das Wichtigste ist die Pflegeeinrichtungen coronafrei zu halten.“

Ich danke für das tolle Gespräch! Es ist interessant zu sehen, wie viele kleine und große Zahnräder ineinandergreifen, damit unsere Gesellschaft läuft und was passiert, wenn einige davon wegfallen. Ich bin froh, dass wir in Nienburg mit dem DRK gut aufgestellt sind.