Zu Gast bei nienburger Hebammen

2014 4 25 Hebammen Nienburg„Sind Hebammen gefährlicher als Atomkraftwerke?“ Diese Frage werfen die Hebammen Sabine Harms, Maren Drewes und Katja Mackeben beim Besuch des heimischen Bundestagsabgeordneten Maik Beermann (CDU) in ihrer Praxis auf angesichts ihrer derzeitigen Versicherungsproblematik.
Maik Beermann besuchte die drei Hebammen in ihrer nienburger Praxis um sich aus erster Hand über ihre schwierige Situation zu informieren und mit ihnen gemeinsam über mögliche Lösungsansätze zu diskutieren. Von 2002 bis 2013 erhöhte sich der Versicherungsbeitrag einer freien Hebamme, die Geburten außerhalb einer Klinik anbot, von unter 500 Euro im Jahr auf über 5000. Diese Entwicklung sorgte dafür, dass Hebammen sich zunehmend von der Geburtenhilfe verabschieden mussten und aufgrund der Kosten nur noch im Feld der Vor- und Nachsorge tätig sein können. Die Versorgungsqualität werdender Mütter sank hierdurch deutschlandweit ab. Ab 2015 wollten die Versicherungen zudem gar keine Hebammen mehr versichern. Auf Druck der Politik wurde dieser Versicherungsschutz vorerst um ein Jahr verlängert, bei einer weiteren Steigerung des Versicherungsbeitrages auf über 6000 Euro. Eine Lösung ist noch nicht gefunden.

„Das ist ein Sterben auf Raten“, sagt Sabine Harms, „Atomkraftwerke kann man versichern, aber für Hebammen soll das kalkulierbare Risiko zu hoch sein? Viele junge Hebammen suchen sich bereits berufliche Alternativen.“ „Wenn das Problem nicht gelöst wird“, fügt Katja Mackeben im Gespräch hinzu, „dann wird es ab 2016 gar keine freiberuflichen Hebammen mehr geben können. Die freie Entscheidung der Mütter wie sie ihr Kind zur Welt bringen wollen wird auf das Krankenhaus reduziert.“ „Im Krankenhaus“, so Maren Drewes, „herrsche dann eine 3 zu 1 oder sogar 5 zu 1 Versorgung. Die Krankenhäuser leisten eine gute Arbeit, doch an die persönliche 1:1 Betreuung können sie durch immer weitergehende Sparmaßen nicht herankommen. Werdende Mütter werden mehr Stress ausgesetzt, was nachweislich die Geburt erschwert. Eltern erzählen mir bereits, dass sie mit einem zweiten Kind warten, bis sich die Situation für uns Hebammen geklärt hat.“

Gemeinsam arbeiteten die drei Hebammen mit Maik Beermann eine Vorgehensweise aus, mit der sie an die Kollegen des heimischen Abgeordneten und an die zuständigen Mitglieder des Fachausschusses für Gesundheit sowie an den Gesundheitsminister Gröhe herantreten werden. Damit macht der CDU-Politiker deutlich, dass auch in seinem Wahlkreis Nienburg/Schaumburg das Allgemeinwohl in eine Schieflage geraten ist.

„Gesundheitspolitik heißt nicht nur sich mit dem Ärztemangel zu beschäftigen. Auch die Hebammen leisten eine unersetzliche Arbeit für das Allgemeinwohl, die hier aufs Spiel gesetzt wird und wir müssen uns ein gerechtes Instrument überlegen um die Versorgungsqualität zu wahren“, so Beermann abschließend.

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